Automarkt Deutschland am Boden?

Irgendwie passt das nicht zusammen. Hierzulande vermelden die Presseorgane, dass eine steigende Konjunktur eine Konsumnachfrage für alle Produkte belebt. Das Sicherheitsdenken und Vorsorge in solchen Zeiten etwas lockerer gesehen werden. Demzufolge müsste sich (ergo) auch der Automarkt eines zunehmenden Absatzes an Neufahrzeugen erfreuen. Doch dies dem derzeit nicht so ist vermeldet in diesen Tagen der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller e.V. (VDIK).

Haben sich die deutschen Verbraucher den Lehren des Monetarismus verschrieben? So wir wir heute sparen, werden wir morgen leben, waren immer die liebsten Worte meines VWL-Prof. an der TU-Berlin - er hat Bücher und ganze Abhandlungen predigend dazu geschrieben. Die private Sektor bereinigt so die Konjunkturausschläge und stabilisiert dadurch nachhaltig die Konjunktur, indem private Endkonsumenten ihr Konsumverhalten im Markt Auto etwas verhaltener angehen. Zu wünschen wäre es, da durch positive Konjunkturmeldungen staatliche Entscheider oft zu ausgabefreudig werden. Aber das ist ja mittlerweile in der Verantwortung von Brüssel.

Welche Automarkttragödie vermeldet nun der Verband der Internationalen

Kraftfahrzeughersteller e.V. aus Walluf? Der Verband spricht von einem Drama: “Mit einem Neuzulassungsvolumen von 1.577.000 Einheiten im ersten Halbjahr 2007 liegt das schwächste Ergebnis seit der Wiedervereinigung vor”. Wir erinnern uns. Ende 2006 trommelte die deutsche Autoindustrie breit und flächendeckend in allen Marketing-Kanälen, dass die damals bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung ein idealer Zeitpunkt wäre, im Herbst/Winter sich seinen Neuwagen zu leisten. Das Ergebnis für die deutsche Autoindustrie war dann im Vergleich zu den Vorjahresergbnissen eher labil als stabil.

Der Absatz der Nutzfahrzeuge geht voran. Investitionsgüter werden bei anziehender Konjunktur auch eher umgesetzt. Das können die Statistiken auch für das erste Halbjahr 2007 belegen. Doch die private Nachfrage im Sektor Autokauf?

27 Prozent Rückgang werden bei den Neuwagen bei privaten Verkäufern verzeichnet. Insbesondere sind Benziner weniger gefragt. Erfreulich, dass alternative Antriebe zunehmend Käufer finden. Neuzulassungen mit Flüssigmotoren und Erdgasmotorisierung sowie Hybridmotoren legen um 24 Pozent zu. Werden die Deutschen umweltbewusster? Oder die Frage anders gestellt. Greift auch hier die Theorie der Monetaristen zum Thema Umweltschutz? So wie wir heute mit unseren Ressourcen umgehen, können unsere Kinder morgen gesünder leben. Geld ist ja nicht das einzige Gut, eine saubere Natur besitzt mindestens ebensolchen Stellenwert.

So stellt auch gerade VDIK-Präsident Volker Lange in seinen Aussagen ganz klar dar: “Der private Kunde bleibt völlig verunsichert auf der Strecke. Die hysterische Klimaschutzdiskussion, die langatmige Debatte um die Rußpartikelfilter-Nachrüstung, die Diskussion um mögliche Fahrverbote, die bürokratische Diskussion um eine neue, auf CO2-Emissionen bezogene Kfz-Steuer, die ständig steigenden Kraftstoffkosten, all diese Entwicklungen fördern die Kaufunlust des Bürgers und führen zur ständigen Steigerung des Pkw-Durchschnittsalters in Deutschland - wir haben inzwischen einen der ältesten Fahrzeugbestände in Europa.”

Die staatliche Regulierung in der Steuerpolitik könnte bei solchen Worten bezweifelt werden. Warum wird dem Autokäufer nicht vertraut? Vielleicht sollte eher eine Deregulierung stattfinden. Die deutsche Autoindustrie verpflichtete sich doch zu weniger verbrauchenden Autos. Die Deutschen sind doch nicht blöd. Kriege in Nahost und auf anderen Ölregionen gehen an uns doch nicht vorbei. Der Spritpreis ist in den letzten Jahren doch nicht nur wegen einer schlechten Fiskalpolitik gestiegen. Es stieg doch nicht nur die Steuer. Der Barrelpreis zog an. Steigende Preise und sinkende Förderung sind dafür ausschlaggebend. Deutschland hat nun einmal keine Ölfelder und ist auf den Weltmarkt angewiesen und die Turbulenzen der ölfördernden Länder im Verbund. Zur Rezyklierung Produkten, die einst aus Erdöl hergestellt wurden, haben wir auch noch keinen Weg gefunden.

Bleibt letzendlich die Frage offen, was würde den Automarkt anregen, wenn staatlicherseits die Steuerpolitik auf eine steigende Konjunktur angepasst wird? Brauchen wir dann noch das “totale Aus” für Klassiker und Oldtimer durch Plaketten, die eh das Gesamtbild der Autolegenden verhunzen? Würden sinkende Literpreise dazu führen, dass die Benzinfresser auf der Halde landen? Oder wären einfach nur mehr Fahrzeuge im Bestand der deutschen Autofahrer? Würde uns bei zunehmenden Neuzulassungen und Verschiebung der “Gebrauchtenwagen” nach Osteuropa eine Art Umwelt-JoJo-Effekt in der Zukunft erwarten?

(RH) Mitglied der schreibenden Autocommunity von Autoki.com http://www.autoki.com/profile/porschex5

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